Gegengelesen: Ansichten und Aussichten 2010

Dec 16th, 2009 | By | Category: Branchenreport | Trackback URL

In der Zeit vor dem Jahreswechsel verhandeln Agenturen, Einzelunternehmer und Freiberufler  in der Regel mit ihren Kunden die Budgets für die kommenden zwölf Monate. Natürlich wird dabei auch immer ein Fazit des Vorjahres gezogen: Welche Kampagnen sind gut gelaufen, welche Strategien müssen unter Umständen weiter ausgebaut werden? Für die erfolgreiche Planung einer ‘Agenda 2010′ haben sich gleich mehrere der großen Branchenportale mit der Frage beschäftigt, welche Trends Kommunikationsprofis im kommenden Jahr unbedingt im Auge behalten sollten.

Social Media ‘hüben wie drüben’: Web 2.0 wird auch 2010 ein ganz großes Thema sein. Darin sind sich amerikanische und europäische Medien einig. Seitdem der Untergang des traditionellen Journalismus beschworen wird, befinden sich auch PR-Profis in einer Sinnkrise. So zitiert Mediaquell auch aus dem PR-Trendmonitor, dass die größten Herausforderungen der PR der ‘Bedeutungsverlust klassischer Medien’, die ‘Informationsflut’ und das ‘Internet allgemein’ seien. ‘Damit zeigt sich, dass u.a. die schrumpfenden Leserzahlen, die Einstellung zahlreicher Printtitel sowie das Auftreten neuer Multiplikatoren (Blogger, Fans etc.) und Kommunikationsformen und -kanäle (Social Media, Online Portale, Aggregatoren, Kurznachrichtendienste, RSS-Feeds etc.) nun auch merklich die PR-Branche treffen’, resümieren die Branchennews.

‘Quo vadis?’, wohin also soll die Reise gehen, wenn der direkte Ansprechpartner in der Redaktion endgültig durch die E-Mail Adresse eines Webworkers oder noch schlimmer durch eine schlichte Eingabemaske eines Presseportals ersetzt wird? Welche Möglichkeiten gibt es dann noch, die Botschaft des Kunden gesteuert zu streuen? Das amerikanische Nachrichtenportal ‘PR News Online’ meint dazu: ‘Though social media has been a primary catalyst for change in the PR industry, respondents see PR’s role in the overall marketing mix becoming increasingly more important.’ Bedeutet also, obwohl besonders Web-2.0-Anwendungen zum großen Teil dazu beigetragen haben, die Kommunikationsbranche zu verändern, sieht das Magazin die Rolle der PR-Verantwortlichen im neuartigen Kommunikationscocktail im Verhältnis zu den Schwesterdisziplinen Marketing und Werbung gestärkt. Eine Erklärung dafür bleibt der Redakteur dem geneigten Leser schuldig. Vielleicht ist diese auch zu naheliegend. Denn: Durch die Wesensverwandtheit zum klassischen Feld werden schon heute die Aufgaben der Onlinekommunikation zum Großteil von PR-Profis erfüllt. Um zurück zum Thema ‘Botschaft steuern’ zu kommen, bedeutet das, dass Social Media durch die direkte Ansprechmöglichkeit der Zielgruppe ohne den klassischen Mittler (Journalist) tatsächlich ganz neue Möglichkeiten bieten, auf die Bildung des Corporate Image Einfluss zu nehmen.

Fast widersprüchlich zu der Einschätzung der Wichtigkeit von Web 2.0 wirkt da ein Artikel des PR Journals: Die Teilnehmer einer Umfrage des Mediakompass gaben hier an, dass die klassische Pressearbeit  ‘immer noch das mit Abstand wichtigste Instrument für ihre Arbeit’ sei. Im Kontrast dazu wird die ‘Bedeutung von Social Media und Web 2.0 […] gegenwärtig eher niedrig eingestuft. Beim Weiterlesen wird allerdings deutlich, dass es sich bei diesen Aussagen nur um eine Beschreibung des Ist-Zustands handeln kann. Denn: ‘Knapp zwei Drittel der PR-Fachleute sind überzeugt, dass sich Web 2.0 und Social Media künftig als ein Instrument neben vielen anderen in den Kommunikationsmix einreihen werden.’ Nach wie vor wichtig erachtet aber ein Großteil der Umfrageteilnehmer die Lobbyarbeit und die strategische Planung von Kommunikationsmaßnahmen.

Und genau in diese Planungen gehen dann wiederum laut PR News Online wesentlich mehr Maßnahmen im Bereich Internet ein. Obwohl annähernd zwei Drittel der vom Magazin befragten Experten die Arbeit und Strategieentwicklung für 2010 als komplexer und schwieriger als im Vorjahr einstufen, plant die Mehrheit, sich stärker in den Bereichen neue Technologien, virales Marketing, SEO und Multimedia zu engagieren. Dass die Budgets entweder gleich bleiben oder nur geringfügig steigen, macht die Sache dabei natürlich nicht einfacher. Aber: Sich mit Twitter, Facebook und Co. anzufreunden, kostet ja in erster Linie nur Zeit – und davon sollte zwischen Weihnachtsgans und Silvester-Prosecco ja ein wenig übrig bleiben. Gute Aussichten also für 2010…

bs-agenda2010
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