Gegengelesen: Journalisten machen keine PR!

Apr 14th, 2009 | By | Category: Branchenreport | Trackback URL

Der ewige Kampf ‘Gut gegen Böse’: Die nicht enden wollende Fehde zwischen PRlern und Journalisten wurde jüngst in der Berliner Zeitung (BZ) einmal mehr neu entfacht. ‘Das ist ja nur PR’ hört man häufig abfällig von den ‘Puritanern’ unter den Kollegen der schreibenden Zunft. Normalerweise folgt dann reflexartig die Retour von den Unternehmensvertretern ‘Ohne uns bekommt ihr keine professionell aufbereiteten Informationen!’ ‘Eure Darstellungen strotzen nur von Schönfärberei’, schallt es zurück. All diese Thesen und Gegenthesen finden nun auch in Gisela Sonnenburgs BZ-Artikel Gehör. Neu ist allerdings der Tenor. Schon im Titel macht die Autorin deutlich: Die kommenden Zeilen sind keine bloße Parteinahme für die eine oder andere Seite, sondern ‘Ein Plädoyer für den professionellen Umgang mit Public Relations’.

Tatsächlich kommt die PR-Branche im hauptstädtischen Tageblatt tendenziell besser weg. ‘Wer sonst [außer der PR] soll pressegemäß Inhalte kommunizieren?’ fragt Sonnenburg rhetorisch, um gleich im folgenden Satz den Fokus auf einen neuen Gegner zu richten: ‘Soll man das Feld dem Marketing überlassen?’ Diese Frage und die damit einhergehende Erkenntnis sind von daher wichtig, weil sie (vermutlich unbewusst) auf ein tägliches Problem vieler PR-Macher hinweisen. Die Medienprofis aus den Unternehmen müssen nämlich nicht nur ihren ungleichen Zwilling (die Journalisten) mit möglichst werbefreien Inhalten versorgen, sondern auch dem hausinternen Konkurrenten (dem Marketing) versichern, dass man das eigene Unternehmen garantiert von seiner besten Seite ‘verkauft’ hat. Die Redakteure hätten gerne interessanten Stoff für ihre Leser (möglichst mit wenigen Änderungen druckbar), die Verkaufsprofis wollen möglichst viele Botschaften, die potentielle Kunden zum Kauf anregen.

Zurück zum Artikel: Ein Plädoyer hält Gisela Sonnenburg schließlich nicht nur für den professionellen Umgang mit der PR, sondern auch für eine professionelle PR. ‘Je besser sie ist [die PR], desto besser können Journalisten sie einschätzen und mit ihr arbeiten’, schreibt die Autorin und spricht sich damit deutlich für eine PR-Branche aus erfahrenen oder studierten Experten aus. Tatsächlich treiben sich in der Öffentlichkeitsarbeit viele ‘Visitenkarten-Profis’ herum. Allerdings: Auch das ist ein Punkt, der in ähnlicher Form im Journalismus zu finden ist. Man braucht sich nur einmal anschauen, wie viele ‘Pseudo-Redakteure’ einen Presseausweis lediglich für die mannigfachen Vergünstigungen besitzen. Aber genug von dem Hickhack! Wahrscheinlich resultieren die Spannungen auch eher aus den Ähnlichkeiten der beiden Berufsfelder denn aus etwaigen Gegensätzen. Letztendlich brauchen sich PR und Presse gegenseitig für gute Resultate wie Brötchen und Butter. Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch Sonnenburgs Artikel, der noch die freiburgerische Kommunikationswissenschaftlerin Prof. Diana Ingenhoff zu Wort kommen lässt: ‘…im Kern haben beide dasselbe Ziel: die richtigen Informationen zur richtigen Zeit zu bringen.’ Recht hat sie!

Bildquelle: jeger @ pixelio.de
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