Nutzerinformationen auf dem Silbertablett: Deutschland pfeift auf den Datenschutz
Jan 14th, 2009 | By Andreas Göbel | Category: Branchenreport | Trackback URLDie Arbeit von Datenschutzbeauftragten ähnelt nicht selten dem Kampf gegen Windmühlen. Zwar herrschen in Deutschland im Vergleich zu einigen unserer europäischen Nachbarländer noch relativ paradiesische Zustände. Doch besonders im Internet hat sich das Umgehen von Datenschutzbestimmungen bereits zum Volkssport entwickelt, wie eine aktuelle Studie der Internet-Dienstleister Xamit belegt. Immerhin verstößt fast die Hälfte aller untersuchten Websites gegen bestehende Richtlinien. Egal, ob es um Webstatistiken, Webshops, Kontaktformulare oder Werbung geht: Auf allen Gebieten fand das Xamit-Team gravierende Sicherheitsmängel.
Vor allem das heimliche Sammeln von Daten, fehlende Datenschutzhinweise in Kontaktformularen und Lecks in Webshops geben Anlass zur Sorge. Anbieter, die ihre Webshop-Software nicht stets auf dem neuesten Stand halten, öffnen Datendieben Tür und Tor. Von den untersuchten Shops war noch nicht einmal ein Viertel auf dem neusten Stand. Doch auch die Seitenbetreiber sind neugierig: Die Erfassung des Surfverhaltens und dessen Auswertung mit speziellen Tools steht hoch im Kurs. Das Problem: Fast 80 Prozent der Anbieter verheimlicht den Nutzern, dass ihre Daten ausgewertet werden. Bei Informationen, die über Kontaktformulare übermittelt werden, fehlt sogar in 83 Prozent der Fälle jeder rechtliche Hinweis.
Glücklicherweise gibt es einfache Wege, zumindest einem Teil dieser Bedrohung selbst zu begegnen. Besonders bequem ist das Firefox-Plugin ‘NoScript’. Einmal installiert, dreht der Mozilla-Browser künftig automatisch den Analyse-Tools den Saft ab. Nur ein kleiner Sieg gegen die Windmühlen, aber zumindest ein Anfang.
Die Xamit-Studie zeigt aber auch Trends zu mehr Aufklärung. Solange die gesammelten Informationen anonym bleiben, gibt es sowieso nur wenig Grund zur Beunruhigung. Ohnehin haben Datenschutzerklärungen nur einen virtuellen Charakter: Was am Ende wirklich mit den gesammelten Daten geschieht, ist kaum zu überwachen. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, dem sei deshalb ein anderes revolutionäres Konzept ans Herz gelegt: Computer ausschalten und zum Händler an der Ecke gehen – für ein Einkaufserlebnis ohne Nebenwirkungen.

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