Costa Rica: Wunderwelten ohne Hinweisschilder

May 5th, 2009 | By | Category: Gedankendialog | Trackback URL

Ein bisschen Abenteuer, eine Landschaft, die zum Wandern einlädt, und ein Ziel mit nicht ganz so vielen Touristen. Genau das hatten wir uns für den Urlaub gewünscht! Gefunden haben wir noch viel mehr – in Costa Rica. Das kleine Land zwischen Nicaragua und Panama ist gerade einmal 51.100 qkm groß, bietet aber eine Fülle von unterschiedlichen Tieren, Pflanzen und natürlich seine berühmten Vulkane.

Wie die meisten Touristen begannen wir unsere Rundreise in San José – in einem kleinen B&B, der Villa Arboleda. Es war angenehm warm, als wir am Morgen unsere Fahrt über die geteerte ‘Interamericana’ in Richtung Vulkan Turrialba starteten. Keine Stunde später hatten wir uns verirrt, die Schlaglöcher der ungeteerten Bundesstraße, auf die wir abgebogen waren, hatten die Größe von Gartenteichen. Straßen-, Orts- oder Hinweisschilder hatten wir schon seit der Autobahn nicht mehr gesehen. Wir brauchten also fünf Stunden, um die richtigen Abzweigungen auf der 35 Kilometer langen Strecke zur Farm zu finden, die unser zweites Zuhause für ein paar Nächte werden sollte. Als wir endlich angekommen waren, regnete es in Strömen – was für ein Urlaub. Auch die Frage, warum in diesem Land jeder Gummistiefel zu tragen schien, hatte sich beim Aussteigen aus dem Auto erübrigt.

Die Entschädigung für die Strapazen kam am folgenden Morgen. Uns war der seltene, wolkenlose Anblick auf den dampfenden Vulkan vergönnt. Die Wanderschuhe schon geschnürt stärkten wir uns noch mit ‘gallo pinto’ (Reis mit schwarzen Bohnen), dem typisch costa-ricanischen Frühstück. Fausto, ein einheimischer Bauer, führte uns die sieben Kilometer lange Strecke zum Gipfel. Allein der Weg wäre schon Grund genug für den Ausflug gewesen: Es bot sich ein Farbenspiel der Natur mit strahlendblauer Himmel, saftig grünem Gras, weißen Wattewölkchen und dazwischen immer wieder knallrote und sonnengelbe Blüten. Beim Blick in den gelblich dampfenden, blubbernden Krater überkam uns jedoch ein Schauer; war dieses schlummernde Monster doch unberechenbar und konnte jeden Moment ausbrechen. Der Weg zurück bot auch noch einen Höhepunkt: Wir sahen ‘unseren’ ersten Quetzal – ein wahrhaft stolzer und farbenprächtiger Vogel, der sich nur selten zeigt.

Der Tag am Vulkan Turrialba sollte Sinnbild werden für unsere Ferien. In Santa María de Dota haben wir so viele Vögel gesehen, dass man sie nicht zählen kann. Die Pazifikküste Costa Ricas bot uns wunderbare Sonnenunter- und -aufgänge an weißen, grauen oder schwarzen Stränden. Vulkane, riesige Schlingpflanzen, Pelikane, Störche, Schlappohrkühe, Echsen, Schlangen, Nebel-, Trocken- und Regenwald, Kaffeeplantagen, frisches Obst … all das ist Costa Rica.

Und die Menschen? Haben auch dort ihre Macken – alles ein bisschen langsamer, mit mehr Ruhe. Grässlich an den ersten beiden Tagen, wenn man noch meint, das ganze Land in zwei Wochen sehen zu müssen. Aber dann … dann lässt man sich anstecken von der ruhigeren Lebensweise der Tikos, wie sich die Costa Ricaner selbst nennen, und beschließt, dass man einfach wiederkommt, um sich den Rest des Landes anzuschauen … Und dann hat man auch mehr Zeit zum Genießen der Landschaft, wenn man sich mal wieder verfahren hat.


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