Digitale Dividende am Untermain: drahtlos statt Glasfaser?

Feb 25th, 2009 | By | Category: Aus der Region | Trackback URL

Eine gute Infrastruktur muss nicht immer auf den ersten Blick sichtbar sein – ist aber für die Wettbewerbsfähigkeit einer Region von entscheidender Bedeutung. Am Untermain gibt es 2009 nur noch wenige weiße Flecken auf der Internet-Landkarte. Doch die Ruhe ist trügerisch. Wenn – wie es derzeit vom Bundeswirtschaftsministerium geplant ist – zukünftig erst Downloadraten ab 1.000 Kilobit als Breitbandverbindung gelten, werden vor allem kleine Gemeinden wieder offiziell ohne Breitbandanbindung dastehen. Noch schlechter sieht es im benachbarten Odenwald aus. Hier sind noch viele Gebiete ganz vom globalen Informationsnetz abgeschnitten, weil sich der Ausbau für die Netzbetreiber nicht lohnt.

Bei der Suche nach kostengünstigen Alternativen wird immer wieder die ‘Digitale Dividende’ ins Spiel gebracht. Dabei sollen die durch den Umstieg auf digitales Fernsehen freigewordenen Frequenzbereiche für die Internetversorgung genutzt werden. Derzeit wird in Pilotprojekten getestet, ob durch diese Form der Übertragung Versorgungslücken effektiv geschlossen werden können.

Gleich mehrere Punkte lassen die Zukunftstauglichkeit dieser Technik jedoch fraglich erscheinen. Besonders in technischer Hinsicht gibt es Unsicherheiten auszuräumen. Experten weisen darauf hin, dass in Zukunft immer höhere Datenmengen übermittelt werden – und die Kapazitäten der freien Frequenzbereiche somit schon bald wieder an ihre Grenzen stoßen. Für Unternehmen mit hohem Datenaufkommen sind die Downloadraten der Funkübertragung heute schon weitgehend uninteressant. Ein weiteres Problem ist die Wetterabhängigkeit. Wem schon einmal der Satellitenempfang von Starkregen und dicken Wolkendecken ‘verhagelt’ wurde, kann ein Lied davon singen. Für Unternehmen, die auf eine zuverlässige Internetanbindung angewiesen sind, kann dieses Modell also keine ernsthafte Alternative zur Glasfaser darstellen.

Wenn Unternehmen als potenzielle Kunden wegfallen, kommt wieder die Frage nach der Wirtschaftlichkeit ins Spiel. Zwar sind die Kosten im Vergleich zu anderen Technologien tatsächlich relativ überschaubar. Trotzdem scheuen viele Mobilfunkbetreiber die Investition in Forschung und Entwicklung. Solange diese Technik keine echte Alternative zur DSL-Leitung ist, bleibt sie ein Nischenprodukt – mit entsprechenden Finanzierungsproblemen.

Eigentlich kommen die jüngsten Ankündigungen der Bundesregierung gerade zur rechten Zeit. Milliardenzuschüsse zum Ausbau der Internetanbindung sollen helfen, die letzten Lücken zu schließen – vor allem mittels herkömmlicher DSL-Leitungen. Ob am Untermain von den Millionen etwas ankommt, ist jedoch fraglich. Der Grund: Im Vergleich zu anderen Regionen sind die Kreise Miltenberg und Aschaffenburg nach bisheriger Definition recht gut versorgt. Doch ein Blick auf die Downloadraten kleinerer Kommunen zeigt, dass diese von der 1.000 Kilobit-Marke noch weit entfernt sind. Bleibt nur zu hoffen, dass dies auch den verantwortlichen Politikern klar wird, bevor der Kuchen verteilt ist.


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2 comments
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  1. Ich finde den Artikel sehr interessant.Ich bin auch der Meinung,dass alles in der Zukunft sich verbessern wird.

  2. Leider ist die Digitale Dividende für einige Beroffene der einizge Strohhalm nachdem sie greifen können. Da kann man wirklich nur hoffen, dass es in der Zukunft besser wird.

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