Aussteigerreport: ‘Twitter ist langweilig!’
Mar 4th, 2010 | By Ayenegbe Stephen | Category: Branchenreport | Trackback URLSocial Media hat sich in kurzer Zeit zu einem weltweiten Phänomen entwickelt. Twitter, Facebook und Co. werden Möglichkeiten nachgesagt, die sich früher selbst dem klassischen Journalismus – immerhin inoffizielle vierte Gewalt in demokratischen Ländern – nicht boten. So werden mit Facebook etwa Präsidentschaftswahlen gewonnen und mit Twitter theokratische Unrechtsregime im Untergrund bekämpft. Aber auch im ganz normalen Alltag setzt sich der Siegeszug der Tools fort – teils mit Banalitäten wie ‘wetter ist schlecht heute #annoying‘ oder aber mit wichtigen Neuigkeiten, etwa dass Freund XYZ ein einsames Schaf gefunden hat. Es werden Einladungen zu Veranstaltungen an den persönlichen Verteiler geschickt und die Fotos vom letzten Urlaub oder Ausflug geteilt. Ob das alles Sinn macht oder nicht, darüber wird häufig und heftig debattiert. Etwas wurde dabei allerdings nie bestritten: Das Ganze macht, aus welchem Grund auch immer, Spaß.
Ist dem aber wirklich so? Oder ist es nur die Propaganda der Social-Media-Enthusiasten die uns so denken lässt? Wissenschaftliche Untersuchungen zu dem Thema sind bislang rar. Interessant aber ist eine Umfrage der Bloggerin Neicole Crepeau. Sie beschreibt in ihrem Artikel im Online-Magazin ‘Social Media Today’, dass Twitter der Mehrheit der befragten aktiven Anwender großen Spaß bereitet. Nichts Neues also. Auch die Sinnhaftigkeit und die beruflichen Vorteile beim Einsatz des Microblogsystems werden von dieser Gruppe nicht bestritten. Menschen, die Twitter noch nie benutzt haben, sind in diesen Punkten schon etwas kritischer, wenngleich nicht grundsätzlich ablehnend. Das ist eine kleine Überraschung, vermutet man doch bei den ‘Social-Media-Verweigerern’ größere Vorbehalte gegenüber den neuen Medien. Wirklich interessant ist die dritte befragte Gruppe: ehemalige Twitter-Anwender. Diese Personen können dem Ganzen rein gar nichts abgewinnen, ihnen macht der Austausch in 140 Zeichen weder persönlich Freude, noch sehen sie darin einen Gewinn für die professionelle Arbeit. Im Gegenteil. Das vernichtende Urteil lautet: Twitter ist langweilig! Dieses Ergebnis ist neu und schon alleine deswegen interessant. ‘Sobald man erstmal postet und sich vernetzt, ist man vom Social-Media-Virus befallen und das Ganze ein Selbstläufer’, sagt Neicole Crepeau – anscheinend nicht immer.
Warum aber können einige Anwender dem Hype nichts abgewinnen und kehren Twitter schließlich ganz den Rücken zu? Natürlich gehören technische Schwierigkeiten mit zu den Gründen, wie man an den vielen bunten Graphen und Tabellen von Bloggerin Crepeau erkennen kann. Wie finde ich neue Follower, wozu dienen Hashtags, wie trete ich mit anderen Nutzern in Kontakt? Solche Probleme kennt jeder Einsteiger. Tatsächlich ist aber der Hauptgrund für die Langeweile ein anderer, jedoch ein aus anderen Medien altbekannter: die Inhalte. ‘People surely quit Twitter for many different reasons. It appears, though, that a significant number of users quit because they aren’t finding interesting tweets.’ ‘Content is King’ hat meine Kollegin Christine Noe vor einigen Wochen an dieser Stelle noch ganz allgemein zum Thema Social Media und PR proklamiert. Persönlich meine ich, dass die eben erwähnten Banalitäten einfach zu Twitter und Co. dazugehören. Sie machen einen großen Teil der Authentizität aus. Unser aller (Berufs-)Leben dreht sich nun mal nicht 24 Stunden täglich um die wichtigen Dinge des Lebens. Aber natürlich sollte das Triviale nicht den Großteil der abgelieferten Information ausmachen. ‘If Twitter wants to keep users, they need to do a better job of connecting first-time users not just with people they know, but with people who frequently tweet on topics that the user cares about’, resümiert die Autorin. Vielleicht sollten aber auch alle begeisterten Twitter-User einfach häufiger mehr von ihrer Begeisterung in die Tweets packen…

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