Die Zwölf Gebote für konfliktfreies Social Networking

Aug 6th, 2010 | By | Category: Branchenreport | Trackback URL

‘Interessiere Dich für andre, wenn Du willst, daß andre sich für Dich interessieren sollen’, schrieb Adolph Freiherr von Knigge 1788 in seinem Werk ‘Über den Umgang mit Menschen’. Neudeutsch würde man diese Weisheit wohl knapp in ‘Be Social!’ verkürzen – und wäre damit schon gleich beim Leitspruch von Twitter, Facebook & Co. Die Ratschläge des Freiherrn von Knigge beschäftigten sich damals mit den allgemeinen Umgangsformen der Menschen. Eben diese sieht heute Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner in den sozialen Netzwerken nur marginal vorhanden. ‘Ein Ehrenkodex muss her’, forderte die Ministerin jüngst in einem Interview mit der Tageszeitung ‘Die Welt’. Und wer könnte diesen besser definieren als ein Knigge? Der Freiherr selber ist dazu freilich nicht mehr in der Lage. Deswegen hat sich der von einem Nachfahren gegründete ‘Deutsche Knigge-Rat’ diesem dringenden Problem angenommen. Herausgekommen sind dabei zwölf Empfehlungen für ein besseres Miteinander im Internet.

Netiquette in Schriftform gebracht
‘Menschliche Beziehungen sind vielseitig’, erklärt Agnes Jarosch, Leiterin des Deutschen Knigge-Rats. ‘Wir haben nicht nur Freunde in unserem Netzwerk, sondern auch Bekannte, Chefs, Kollegen und Geschäftspartner.’ Das Zwölf-Punkte-Programm der Organisation soll nun helfen, erfolgreich am virtuellen Sozialleben teilzuhaben, ohne dabei das eigene Image, die Privatsphäre oder persönliche Daten zu gefährden. Wenn die Initiatoren empfehlen, möglichst authentisch zu sein oder plumpe Vertraulichkeiten und Belästigungen zu unterlassen, fragt sich der internetaffine Nutzer natürlich: ‘Weiß doch jeder, wozu das Ganze?’ Man muss aber bedenken, dass die Netiquette bislang ein ungeschriebenes Gesetz und nicht für jeden eine Selbstverständlichkeit war. Die Empfehlung der genauen Auswahl der Zielgruppen und des passenden Netzwerkes ist allerdings wirklich wichtig. Soziale Netzwerke bringen nur Spaß und einen Mehrwert, wenn tatsächlich Interaktion stattfindet. Senioren wird wahrscheinlich im SchülerVZ schnell Langeweile und Unverständnis beschleichen. Genauso eignen sich Twitter oder Businessnetzwerke wie Xing und LinkedIn nicht für jeden Gelegenheits- oder Privatanwender.

Der Punkt ‘Halten Sie den Dialog lebendig’ geht nun ganz in die Richtung des Leitsatzes ‘Be Social!’ und ist vielleicht für die Interaktion im Netz eine der wichtigsten Empfehlungen. Wenn Kommunikation zur Einbahnstraße verkommt, leidet die Beziehung. ‘Behalten Sie einen kühlen Kopf’ ist hingegen ein Ratschlag, den besonders Unternehmen immer noch gerne in den Wind schlagen. Als Beispiele seien an dieser Stelle nur die Stichworte KitKat, Jack Wolfskin oder JAKO genannt. Aber auch der private Nutzer hat schnell etwas gepostet, was ihm hinterher lange anhaftet. Das Internet sieht eben alles und vergisst so gut wie nie.

Zeitgemäß bis ins Vokabular

Dass mindestens einer im Knigge-Rat tatsächlich engagiert an Social Media partizipiert, erkennt man dann am 10. Gebot: ‘Schließen Sie Trolle aus.’ Jeder aktive Webnutzer weiß natürlich, was gemeint ist. Dennoch kann man sich das Schmunzeln über diesen Begriff nicht verkneifen. Es handelt sich schließlich um ein halboffizielles Dokument! Statt mit Trollen beschäftigt man sich bei Social Media ohnehin viel mehr mit Empfehlungen. Cafés und Bars werden genauso angepriesen wie der aktuell gelesene Roman oder der Kinofilm, den man am Abend zuvor gesehen hat. In Geschäftsnetzwerken vermittelt man Kontakte zwischen Personen und empfiehlt Dienstleistungen, Produkte oder Unternehmen. Gerade für professionelle Netzwerker gilt, es sich nicht durch plumpe Werbung mit den eigenen Kontakten zu verscherzen. Ansonsten sollte natürlich alles Interessante weitergegeben werden. Ein guter Tipp zur richtigen Zeit kann dem eigenen Image nicht schaden. ‘Rede nicht zu viel und nicht langweilig’, empfahl schon Adolph Freiherr zu Knigge. Und so klappt’s auch mit Social Media…

Die kompletten Empfehlungen auf der Homepage des Deutschen Knigge-Rats

Update: Der Deutsche Knigge Rat hat seit der Veröffentlichung des Artikels zwei Regeln, die speziell auf Unternehmen gemünzt sind, aus dem Dutzend separiert. Es bleiben also 10 Gebote + 2 Extratipps für’s Geschäftsleben…


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