Gegengelesen: ‘Nicht freigeben, sondern gemeinsam lernen’ – Chancen von und Umgang mit Twitter im Unternehmen
Jan 18th, 2010 | By Ayenegbe Stephen | Category: Branchenreport | Trackback URLNicht nur in der Kommunikationsbranche, sondern nahezu in allen Bereichen scheint Twitter zurzeit das dominierende Thema zu sein. Mit einem derartig großen Erfolg der 140-Zeichen-Nachricht haben selbst eingefleischte Internetanwender nicht gerechnet (obwohl die Entwicklung ja durchaus mit der Erfolgsgeschichte der SMS vergleichbar ist). Wie sinnvoll aber ist der Einsatz im Unternehmen und welche Chancen und Risiken ergeben sich durch Twitter? Diesen Fragen ging jüngst das Handelsblatt in einem Interview mit der Buchautorin Nicole Simon auf den Grund. Um das Fazit vorweg zu nehmen: Der Artikel ist ein leidenschaftliches Plädoyer für den Einsatz dieses Kommunikationstools.
Die allgemeinen Sorgen und Befürchtungen von Geschäftsführern lassen sich auf Anhieb nicht von der Hand weisen: Twitter kostet Zeit. Das bedeutet die ernsthafte Nutzung bindet (Zeit-)Ressourcen und kann so durchaus zu einer kostspieligen Angelegenheit werden. Das Gegenargument von Autorin Simon klingt da vielleicht ein wenig zu einfach, um zu überzeugen. Im Kern: ‘Wer davor Angst hat, dass mit Twitter Zeit vergeudet wird, kann auch gleich das Internet abschaffen.’ Was folgt, ist da schon plausibler. ‘Der Unternehmer sollte sich fragen, wo seine Kunden oder die Presse gerade unterwegs sind. Das sind aus meiner Sicht nämlich die beiden Hauptzielgruppen, die ein Unternehmer mit seinen Produkten oder Nachrichten draußen erreichen möchte – mit dem Endziel, etwas zu verkaufen.’ Okay, Twitter also ‘nur’ ein weiterer Kommunikationskanal. Wie diesen aber fachgerecht nutzen?
Genau an diese Frage knüpfen sich für gewöhnlich unternehmerische Ängste. Können durch Unachtsamkeit der Mitarbeiter Interna oder sogar unternehmensschädigende Informationen aus dem Betrieb in die weite Welt dringen? Diese Gefahr sieht Simon tatsächlich gegeben. Allerdings viel mehr in der Freizeit der Mitarbeiter, denn im betrieblichen Einsatz. Angestellte nutzen heute privat bereits soziale Netzwerke wie ‘Facebook’, ‘Xing’ oder ‘wer-kennt-wen’. Partybilder vom rauschenden Firmenfest in Zeiten der Konsolidierung kommen also auch so an die Öffentlichkeit. ‘Wenn es gerade ein heißes Thema in der Twitter-Gemeinde ist, dann können natürlich auch scheinbar harmlose Nachrichten unerwünschte Nebeneffekte haben, wenn sie nicht mit dem nötigen Verständnis abgesetzt werden.’
Es gilt also, die Mitarbeiter im richtigen Umgang mit Social Media zu schulen. Das kann zum Beispiel über festgelegte Social-Media-Guidelines oder über das langsame Herantasten und Erlernen durch ein firmeninternes Tool erfolgen. Zensur oder Kontrolle ist dabei keine Lösung, wie ein Whitepaper aus unserem Haus zeigt. Aber auch eine Laisser-faire-Politik wäre wenig ratsam. ‘Nicht freigeben, sondern gemeinsam lernen’, sagt denn auch die Twitterexpertin Simon. Zusammen sollte man mit den Mitarbeitern eine Sprache und Themen finden, die für die Kommunikation des Unternehmens im Web 2.0 geeignet sind und funktionieren.
Der Idee von Twitter als Allheilmittel für alle Branchen erteilt Nicole Simon eine klare Absage. Ihrer Ansicht nach eignet sich der Einsatz hauptsächlich für Unternehmen mit viel Kundenkontakt. Hat man sich einmal für das virale Gezwitscher entschieden, sollte man aber natürlich auch regelmäßig Kurznachrichten einstellen. ‘Eine pro Tag’ meint die Buchautorin – eine Empfehlung, die wohl weder die künftigen Follower noch die engagierten Twitterer zufrieden stellen würde. Simon: ‘Jede Firma, die eine Kommunikationsperson für die Pressearbeit hat, sollte eigentlich in der Lage sein, genügend Input für Twitter zu finden, der die Firma interessant erscheinen lässt.’ Unser Rat an die, die noch keinen PR-Profi engagiert haben: unbedingt nachholen oder sich unter http://twitter.com/kjplus inspirieren lassen, wie es geht…

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