Hausgemachtes Blättersterben
Feb 17th, 2010 | By Ayenegbe Stephen | Category: Branchenreport | Trackback URLDer Journalismus kämpft ums Überleben – weltweit. Die Wirtschaftskrise hat dieses Problem noch einmal verschärft. In den USA mussten schon einige traditionsreiche Redaktionen wie der ‘Tucson Citizen’ oder die ‘Cincinnati Post’ ihre Pforten schließen. Besonders die kostenlose Konkurrenz aus dem Internet wird in diesem Zusammenhang häufig als Ursache und gleichzeitiger Profiteur der Krise genannt. Branchengrößen wie Murdochs ‘News Corp’ oder der deutsche ‘Axel Springer Verlag’ überlegen, wie sie ihre Pfründe mit neuen Geschäftsmodellen in die Onlinewelt retten können. Ein bereits im Mai 2009 erschienener Artikel des Onlinemagazins ‘PR-Portal’ über das Buch ‘Entzauberung eines Berufs’ bringt eine Komponente in die Debatte, die bis heute noch nicht ihren Weg in den Diskurs gefunden hat. Der Untertitel der Studie des Dresdner Kommunikationswissenschaftlers Professor Wolfgang Donsbach ‘Was die Deutschen vom Journalismus erwarten und wie sie enttäuscht werden’ lässt erahnen, dass rückläufige Verkaufszahlen und Leserfluktuation einen tieferen Kern haben müssen, als nur die kostenlose Konkurrenz aus dem World Wide Web.
Das Misstrauen lag in der Vergangenheit in der Regel immer auf Seiten der Journalisten – gegenüber der Wirtschaft, der Politik oder der PR. Eine gesunde Skepsis gehört ohne Zweifel zum Handwerkszeug eines jeden seriösen Reporters, schließlich sind sie Repräsentanten und Bürdenträger der vierten Gewalt. Wie wichtig ein ernsthafter, freier und unabhängiger Journalismus ist, sieht man überall dort, wo es ihn nicht gibt. Journalisten sind Auge, Ohr und Stimme der Bürger in einer Demokratie, sie leuchten die Schattenseiten des Systems aus und fordern lautstark nach Änderung oder moralischer Integrität. Grundvoraussetzung für einen funktionierenden Journalismus ist neben dem Hochhalten des eigenen Ethos, dass man von den Bürgern als glaubwürdig erachtet wird. Genau hier scheint heute aber das Problem zu liegen, wenn man Professor Donsbachs Studie betrachtet. Demnach sagen ‘lediglich 35 Prozent der deutschen Bürger’, dass sie Journalisten vertrauen. ‘Unsere Untersuchung zeigt, dass wir es heute nicht nur mit einer zunehmenden Politikverdrossenheit zu tun haben, sondern auch mit einer Journalismusverdrossenheit’, bringt es der Autor selbst auf den Punkt.
Woher kommt aber dieser massive Vertrauensverlust? Die Ursachen sind vielfältig, schreibt das PR-Portal. Fundamental scheint dabei zu sein, dass ein Großteil der Bürger glaubt, Redakteure seien käuflich oder würden zu stark Interessen von Anzeigenkunden in ihren Beiträgen berücksichtigen. Ein weiterer Punkt ist die Qualität der Beiträge. Mehr Sachlichkeit und weniger Boulevard ist hier die Forderung. Aber auch die Ethik und Redlichkeit der Journalisten wird in hohem Maße vermisst oder in Frage gestellt. Zum einen macht sich dies laut der Befragten in einer distanzlosen Berichterstattung deutlich, etwa wenn es um die Darstellung von Kriegsopfern geht. Zum anderen sieht die Öffentlichkeit die Journalisten als zu mächtig an.
‘Eine weitere Ursache für die Vertrauenskrise ist zudem der Umstand, dass es der Bevölkerung mittlerweile an einer klaren Vorstellung fehlt, was Journalismus ist und was nicht. Dieses Problem betrifft vor allem die Unterscheidung zwischen Journalismus und PR und wird durch das Internet noch verschärft’, wird Professor Donsbach vom PR-Portal zitiert. Und damit schließt sich wieder der Kreis zu den ‘Übeltätern’ Onlinemedien und Öffentlichkeitsarbeit. Allerdings ist es nicht die Aufgabe des Journalismus, dafür zu sorgen, dass die neue Medienwelt nach den eigenen Regeln spielt. Als Fazit kann man der Studie vielmehr entnehmen, dass sich die klassischen Medien doch auf ihre grundlegenden Werte besinnen und konzentrieren sollten. Das würde zum einen dem Onlinejournalismus zu mehr Qualität verhelfen und zum anderen langfristig das Vertrauen der Leser zurückbringen. Und: Anspruchsvolle Journalisten sorgen auch dafür, dass von der PR-Arbeit mehr gefordert wird.

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