Medien Trend 2010: Social Media und PRler sind gar nicht so schlimm

Jul 2nd, 2010 | By | Category: Branchenreport | Trackback URL

‘Social Media hat sich in den Redaktionen als Arbeitstool etabliert’ schreibt ‘news aktuell’ in einem jüngst veröffentlichten Beitrag. Der dpa-Dienst bezieht sich dabei auf die Ergebnisse der Umfrage ‘Medien-Trendmonitor 2010 – Journalismus in einem neuen Informationszeitalter’, die in Zusammenarbeit mit der Beratungsgesellschaft ‘Faktenkontor’ initiiert wurde. Danach setzt heute mehr als jeder zweite Journalist bei der täglichen Arbeit auf Social Media. Beim zweiten großen Branchenthema – Paid-Content-Modelle – waren die knapp 2.700 befragten Kollegen hingegen skeptisch. Nur 25 Prozent glauben, dass sich Bezahlinhalte erfolgreich etablieren können.

Twitter und Facebook statt Telefon und Schreibmaschine?

Trotz der Tatsache, dass Social Media für knapp die Hälfte aller Befragten eine sehr hohe Relevanz für die redaktionelle Arbeit hat, ist der Anteil der Skeptiker mit rund 33 Prozent noch immer deutlich vorhanden. Bricht man die Altersgruppen auf und betrachtet besonders die Nachwuchsredakteure, zeichnet sich aber ein deutliches Bild ab. So möchten 75 Prozent der Volontäre nicht auf soziale Netzwerke als Informationsquelle verzichten. Erwartungsgemäß ähnlich hohe Akzeptanz findet man für das Social Web unter den Online-Redakteuren. Interessant dabei ist, dass YouTube als beliebtestes Mittel angegeben wurde. Ein Großteil der Befragten setzt bei der Recherche Internet-Videos ein, um sich ein Bild von Personen zu machen oder um Events und Pressekonferenzen zu verfolgen. Erst auf den Plätzen zwei und drei folgen das Businessnetzwerk XING und der Web2.0-Primus Facebook. Twitter nutzen im Schnitt bislang weniger als ein Drittel der Journalisten für Recherche oder Publikation.

Schwarzmalerei statt digitaler Tinte
Das Thema ‘Paid Content’ ist nicht erst seit Wallstreet Journal oder iPad ein großes Thema. Im Grunde ist der Diskurs für oder gegen Bezahlmodelle für redaktionelle Inhalte so alt, wie der Online-Journalismus selbst <link artikel quittner>. Deutlich düsterer als Webpioniere und Medienunternehmer sehen die Redakteure die Erfolgschancen für Paid Content. So glaubt nur ein Viertel der befragten Journalisten, dass deutsche Medienhäuser künftig mit bezahlten Inhalten im Web maßgebliche Umsätze erzielen können. Die Gründe für diese Einschätzung sind ebenso bekannt: Primär sieht man die weit verbreitete ‘Umsonst-Mentalität’  im Web als großes Hindernis. Beim Einführen von Gebührenmodellen sieht man zudem die Gefahr, dass Leser zu Gratis-Anbietern wechseln oder dass ältere Leser den Umstieg von Print auf digitale Inhalte nicht mitmachen, so die Befürchtungen.

Und sonst?
Als größte Herausforderung sehen die Medienmacher laut Umfrage den Umgang mit den jungen Leserschichten. Befürchtet wird eine Abkehr jüngerer Menschen vom Qualitätsjournalismus. Vielleicht ist hierin ja auch ein Grund zu finden, warum sich Redakteure heute vermehrt auf neue Kommunikationskanäle einlassen. Positiver Nebeneffekt dabei ist auf jeden Fall, dass sich mehr als die Hälfte der deutschen Journalisten gut gerüstet für die Zukunft sehen. Und: 45 Prozent finden, dass sich das Verhältnis von Pressesprechern und Redakteuren verbessert hat. In der Krise können alte Fehden anscheinend tatsächlich der Beginn einer wunderbaren Freundschaft sein…

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