PR Career Center: Vorhang zu und viele Fragen beantwortet

Sep 7th, 2010 | By | Category: Branchenreport | Trackback URL

Es gibt zwei zentrale Fragen, die man Vertretern der PR-Branche in Deutschland immer wieder stellt: ‘Was macht ihr eigentlich?’ lautet die eine, ‘Wie wird man das?’ die andere. Auch im Jahr 2010 hat der Berufszweig der Public Relations immer noch ein Problem, sich selbst zu erklären. Im Kopf von Otto Normalverbraucher wird er meist mit Werbung oder Marketing gleichgesetzt, wenn überhaupt. Ein Zustand, der ironischer kaum sein könnte – bedenkt man, dass die Branche ihre Gewinne zwar mit Kommunikation erzielt, ihre eigene Profession aber nur mangelhaft vermitteln kann. Selbst der Werdegang eines PR-Arbeiters ist immer noch diffus: Den einen, universellen Karriereweg vom Reißbrett gibt es nicht. Allgemeingültige, anerkannte Standards fehlen. Branchen-Insider, die Frage eins noch selbstsicher beantworten konnten, geraten spätestens bei Frage zwei ins Stocken.

Bis Einigkeit über das Berufsbild und die nötigen Qualifikationen herrschen, ist es noch ein langer Weg – auch deshalb, weil die PR-Branche in Deutschland immer noch recht jung und ideologisch zerklüftet ist. Um in diesem Dickicht wieder einen kleinen Schritt voranzukommen, haben Philip Müller und Thomas Lüdeke im vergangenen Jahr eine Veranstaltung aus der Taufe gehoben, die heute zur frisch gegründeten ‘PR Career Center GbR’ zählt. Ziel des so genannten Sommer-Symposiums ist es, zumindest eine der beiden Kinderkrankheiten zu lindern und aufstrebenden jungen Menschen Orientierung bei der Aus- und Fortbildung im Bereich Public Relations zu bieten.

Nach der Frankfurter Premiere im vergangenen Jahr fand das Symposium diesmal in der Landesanstalt für Medien in Düsseldorf statt. Das topmoderne Gebäude des öffentlich-rechtlichen Gastgebers im Düsseldorfer Medienhafen bot den passenden Rahmen für eine Veranstaltung, die es so in Deutschland kein zweites Mal gibt. Für eine im Vergleich zu anderen Workshops, Gipfeln und Konferenzen überaus faire Teilnahmegebühr beantworteten Deutschlands beste PR-Schaffende Einsteigern deren dringlichste Fragen. Neben Vertretern führender Netzwerkagenturen wie Dr. Alexander Güttler (der gleichzeitig als GPRA-Präsident fungiert) nahmen sich auch Personalberater, Hochschulvertreter und Ministerialarbeiter die Zeit, Einblicke in ihren Job zu geben und auf die Fragen der Teilnehmer einzugehen.

Selbst die Profis hatten es dabei nicht immer leicht. Mehr als einmal mussten sich auch die gestandenen PRler auf die berüchtigte ‘Ja, aber …’-Formel zurückziehen. Denn genau wie die Empfehlung, gelte meistens auch das Gegenteil, wie Dr. Güttler an seiner eigenen Vita veranschaulichte: ‘Aus Agentursicht sollte man nicht zu lange in einem Unternehmen arbeiten’, lautete eingangs der Ratschlag des ‘komm.passion’-CEO. Erst später im Verlauf der 75-minütigen Diskussionsrunde stellte sich heraus, dass er selbst acht Jahre lang auf Konzernseite gearbeitet hatte. Insofern dürfte auch die Maxime, höchstens zwei bis vier Jahre in derselben Agentur zu arbeiten, nur eingeschränkten Gültigkeitsanspruch haben.

Schlüsselqualifikation – da waren sich zumindest die Sprecher des dritten, prominent besetzten Aufsteiger-Panels an diesem Tag einig – sei der Umgang mit Social Media. Ihre Fürsprecher Jochen Mai (Wirtschaftswoche) und Stefan Keuchel (Google Deutschland) sind selbst passionierte Nutzer der neuen Kanäle und legten es den Zuhörern daher auch wärmstens ans Herz, eigene Erfahrungen auf dem Gebiet zu sammeln. ‘Es herrscht Goldgräber-Stimmung’, jubilierte Keuchel, der gleichzeitig den natürlichen Vorteil betonte, den die junge Generation in puncto Neue Medien gegenüber der älteren habe. Karrierebibel-Autor Mai war in dieser Hinsicht sogar noch ein bisschen radikaler: ‘Wer bei Facebook, Twitter und Co. nicht mitmachen will, wird es schwer haben, einen Job zu finden.’ Genauso wenig wie der schreibfaule Journalist oder der farbenblinde Maler hätte der junge, Social Media verschmähende PR-Arbeiter eine Chance in dieser Branche – wenngleich Mai bei seinem überspitzten Vortrag das Beispiel des tauben Jahrhundert-Komponisten aus Bonn wohl geflissentlich aussparte.

Mit 30-minütigen und damit zeitlich leider etwas knapp kalkulierten Einzelcoachings sowie informellem Networking in der Lobby fand das Sommer-Symposium des PR Career Centers seinen Ausklang. Weitere Fotos des Seminartages gibt es unter anderem in der Facebook-Gruppe ‘Flurfunk PR’. Dank der erstklassigen Organisation, der interessanten Gäste und der angenehmen Gesprächsrunden abseits des offiziellen Programms wird das Event sicher auch in den kommenden Jahren viele Teilnehmer finden. Frage eins und zwei dürften auch bis dahin weiterhin offen sein.

Jochen Mai und Stefan Keuchel auf dem Sommer-Symposium des PR  Career Centers in Düsseldorf

Jochen Mai (links) und Stefan Keuchel beim Sommer-Symposium. Copyright: PR Career Center GbR


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4 comments
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  1. Vielen Dank für das positive Feedback! Freut mich sehr, dass das Symposium gut ankam. Einer Fortsetzung steht damit ncihst im Wege…

    Viele Grüße
    Philip Müller

  2. Insights into the industry at the PR Career Center in Düsseldorf…

    When the ‘Summer Symposium’ organized by Philipp Müller and Thomas Lüdeke on 4th September came to its end, the participants left with an in-detail insight into the industry. When it came to two central questions, though, the participating …

  3. Vielen Dank für die komprimierte Wiedergabe. Zum Jahrhundertkomponisten allerdings:

    1. Er war ein Ausnahmetalent, hochbegabt – insofern ein nicht zu verallgemeinernder Vergleich.
    2. Er war nicht von Beginn an taub, sondern hatte bereits einiges geleistet bevor er schwerhörig wurde. Ein kleiner aber wesentlicher Unterschied in der Argumentation, weshalb der Vergleich mit ihm hinkt.

    Herzlich
    JM

  4. Hallo Herr Mai,

    danke für Ihre Antwort. Ich freue mich, dass der Götterfunke aus unserem Blog zu Ihnen übergesprungen ist ;)

    Mit beiden Punkten haben Sie natürlich Recht. Aber ganz ohne Widerworte wollte ich Ihre Argumentation dann doch nicht stehen lassen – wenngleich wir uns einig sind, dass Social Media-Kompetenz mittlerweile einen hohen Stellenwert einnimmt.

    Viele Grüße nach Düsseldorf

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