Fokus auf das legen, was nicht im Fokus der Öffentlichkeit liegt
Mar 10th, 2010 | By Eva Skalsky | Category: Gedankendialog | Trackback URLBereits zum 13. Mal hat die Jury der Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) die Top 10 der ihrer Meinung nach von den Medien am stärksten vernachlässigten Themen des vergangenen Jahres gewählt.
Nach dem Vorbild der US-amerikanischen Initiative Project Censored gründete Professor Peter Ludes im Mai 1997 in Siegen die INA mit dem Ziel, wichtige Nachrichten und Themen, die im vergangenen Jahr nicht genügend mediale Aufmerksamkeit erhalten haben, stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Wie auch beim von der Gesellschaft für deutsche Sprache bestimmten ‘Wort des Jahres’ hat jeder die Möglichkeit, Themen für die Top 10 vorzuschlagen, die der eigenen Meinung nach stärker (bzw. überhaupt) in der Berichterstattung hätten thematisiert werden sollen. Nominiert werden können Nachrichten, die u.a. für einen Großteil der Bevölkerung von Relevanz sind, trotz ihrer Bedeutung noch nicht von den Medien behandelt worden und in deutscher oder einer anderen europäischen Sprache verfasst sind.
Teams an der Technischen Universität Dortmund, der Universität Bonn und der Hochschule Darmstadt überprüfen die eingegangenen Vorschläge auf Einhaltung der Nominierungskriterien, bevor eine Jury aus Journalisten und Wissenschaftlern für den Jahresbericht die ‘Top 10 vernachlässigter Themen’ bestimmt. Im Jahr 2001 beispielsweise schafften es gleich drei Themen mit dem Hintergrund Rüstungskontrolle in die Top 10 und verdeutlichten, dass es oft keineswegs Einzelthemen, sondern ganze Themenkomplexe sind, über die nicht berichtet wird. Im vergangenen Jahr scheint der Öffentlichkeit und den Medien im Bereich Gesundheit und pharmazeutische Forschung einiges entgangen zu sein. So kritisiert die INA zum einen den Mangel an Information über den herrschenden Pflegenotstand in Krankenhäusern. Zum anderen mahnte man die in Deutschland bestehende Möglichkeit der Zwangseinweisung in die Psychiatrie an, da diese gegen die UN-Behindertenrechtskonvention verstoße. Dritter Kritikpunkt war das gängige Mittel der Patentierung von menschlichen Genen und Gensequenzen – diese verlangsamt die medizinische Forschung als Ganzes.
Ohne den Fokus gänzlich verschieben zu wollen, bietet sich uns hier die Gelegenheit, darauf zu drängen, dass die Suchscheinwerfer Randbereiche der täglichen Berichterstattung stärker beleuchten. Denn auch hier finden sich Themen, die trotz Schlagzeilen wie Erdbebenkatastrophen in Lateinamerika und Winterspielen in Vancouver nicht unter den Tisch fallen dürfen. Was gehört Ihrer Meinung nach ins Rampenlicht der Berichterstattung? Bis zum Ende des Jahres können Sie Ihre Vorschläge auf der Webseite der Initiative Nachrichtenaufklärung einreichen…
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