Grammatik oder ‘Die Kunst des Lesens und Schreibens’: Binnen-I oder auf der Suche nach Neutralität
Jul 22nd, 2010 | By Eva Skalsky | Category: Gedankendialog | Trackback URLSprache ist lebendig, Sprache entwickelt sich, sowohl die gesprochene als auch die Schriftsprache, auch wenn letztere immer ein wenig hinterherhinkt. Ob das nun zu ihren Ungunsten ist, kann man bei der Liste der Unwörter des Jahres oder abstruser grammatischer Strukturen (Warum abstrus? Weil, das ist so!) bezweifeln. Modewörter kommen und gehen, besonders deutlich macht das die Jugendsprache, die aus dem Wunsch heraus, sich von der Standardsprache abzugrenzen, besonders offen für Trends und Neuerungen ist.
Im Clinch mit dem Standardsprech liegt auch die sogenannte Frauensprache oder feministische Linguistik, die es sich zum Ziel gemacht hat, durch eine ‘politisch korrekte’ Art und Weise des Sprechens und Schreibens Frauen präsent zu machen und nicht allein auf Beschreibung und Kritik der Sprachsysteme und Sprachnormen, sondern auf politisch-gesellschaftliche Veränderungen abzielt. Neben der Einführung von Berufsbezeichnungen, die das Geschlecht berücksichtigen (Krankenpfleger/-in statt Krankenschwester), dem Verzicht auf Anreden, die kein männliches Pendant haben (Dame, Fräulein) und der bewussten Suche nach Alternativbezeichnungen (Lehrkraft, Studierende) hat die Beschäftigung mit dem Thema sicher zu einer Sensibilisierung geführt, die über weite Strecken Phänomene wie der Gender Bias und die empfundene latente Diskriminierung von Frauen innerhalb des deutschen Sprachsystems eingrenzen.
Wie nicht anders zu erwarten, entzweien sich des Öfteren die Gemüter an mehr oder weniger geglückten Versuchen, sprachliche Geschlechtsneutralität herzustellen. Wie es jeder und jede Einzelne in der Praxis hält, ist dann letztendlich Geschmacksache. Doch was das viel diskutierte Binnen-I angeht, hält der Duden dankenswerterweise einen Ratschlag bereit: Statt LeserInnen empfiehlt er die Schreibweise ‘Leserinnen und Leser’, da ‘es Großschreibung nur am Wortanfang (eines Substantivs) geben kann, aber nicht im Wortinnern. Ein Großbuchstabe darf lediglich am Anfang eines Wortes stehen, außer bei kompletter Majuskelschreibweise.‘ Fein, wieder ein Stolperstein im Sprachgebrauch aus dem Weg geräumt… Die nächste Pfütze wartet bestimmt an der kommenden Biegung.
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