Grammatik oder ‘Die Kunst des Lesens und Schreibens’: Und Pluralbildung hat doch Züge der Willkür!
May 19th, 2010 | By Eva Skalsky | Category: Gedankendialog | Trackback URL‘Gibst du mir mal einen von den Schals, die an der Garderobe hängen?’ Keine ungewöhnliche Bitte, besonders angesichts der Tatsache, dass wir Anfang Mai morgens zum Teil noch mit Gradzahlen im einstelligen Bereich zu kämpfen haben. Schuld daran, dass der ausgestreckte Arm fünf Zentimeter vor dem Schal an besagter Garderobe in der Luft hängen bleibt, ist … tja, die Grammatik. Warum denn ‘Schals‘? Der Hund, die Hunde, der Bauer, die Bauern, der Briefträger, die Briefträger: Wäre da nicht alles von die Schale, die Schalen, die Schal logischer als die Schals?!
Umso länger ich über Pluralbildung nachdenke, umso willkürlicher erscheint sie mir. Aber viele Autoren versichern mir, dass die Pluralbildung im Deutschen zwar komplex, aber nicht chaotisch ist. Wie geht’s also?
Das Deutsche kennt die Endungen -e, -er, -(e)n und -s zur Pluralbildung, die im Allgemeinen vom Genus des Wortes abhängen:
| Maskulina | die Endung -e | der Hund, die Hunde |
| Neutra | die Endung -er | das Kind, die Kinder |
| Feminina | die Endung -(e)n | die Regenjacke, die Regenjacken |
| Wenn keine andere Möglichkeit besteht, bei Akronymen und vielen Fremdwörtern |
die Endung -s | der Cousin, die Cousins |
Da das aber natürlich zu einfach wäre, tummeln sich noch Umlaute, Nullplurale, Doppel- und ein ganzer Schwung Sonderformen um die Pluralbildung. Liebe Deutschlernende: Ihr habt meine vollste Anteilnahme!
Und bevor ich mich dann weiterhin auf mein Bauchgefühl als Muttersprachler verlasse, hier noch für ganz Hartgesottenen die Erklärung im Rahmen der Optimalitätstheorie, warum es weder die Schal noch die Schale/-n heißt:
Zum Einen greift das Distinktheitsgebot (Singular und Plural sollen klar zu unterscheiden sein) und zum Anderen das Homonymenverbot (gleichlautende Pluralformen sind zu vermeiden).
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