Grammatik oder ‘Die Kunst des Lesens und Schreibens’: Vornamen mit ‘gender deficit’

Jul 8th, 2010 | By | Category: Gedankendialog | Trackback URL

So sehr die E-Mail-Kommunikation uns das Leben auch vereinfacht, so viele Stolperfallen tun sich auf, wenn man den Gegenüber weder sieht noch hört. Das durfte ich heute früh am eigenen Leib erfahren: Da lag eine E-Mail in meinem Postfach mit der Bitte nach Zusendung von Bildmaterial für ein Urlaubsmagazin in den Vereinigten Arabischen Emiraten, unterzeichnet von Robin. Zum Glück muss man sich bei der direkten Ansprache ja nicht entscheiden, welches Geschlecht man anspricht. Im Spanischen wäre ich mit einem ‘Bienvenido en la página web de Zell am See-Kaprun’ voll gegen die Wand gefahren, denn bei Robin handelte es sich nicht – wie der Held der Armen aus Sherwood Forest oder der Freund des Fledermausrächers über den Dächern von Gotham City nahelegen – um einen Mann, sondern um eine ganz charmante Kollegin, mit der ich im Laufe des Tages dann noch telefonieren durfte…

Nach deutschen namenrechtlichen Vorschriften muss ein Vorname eindeutig als solcher erkennbar sein (keine Ortsnamen, Titel oder Sachbezeichnungen). Wird ein fremder Vorname oder Unisexname gewählt, aus dem das Geschlecht des Kindes nicht eindeutig hervorgeht (Kim, Alex, Sascha, Shannon, Shiva, Yael), muss ein zweiter, eindeutiger Vorname hinzugefügt werden. Durch Unterstreichung kann der Rufname, mit dem auch Dokumente zu unterzeichnen sind, hervorgehoben werden. Anstößige Namen, die das Wohl des Kindes beeinträchtigen, sollten mit einem Appell an die Verantwortung der Namensgeber von Standesbeamten zurückgewiesen werden.

Andere Länder, andere Sitten: In Lateinamerika ist es Gang und Gäbe seinen Sohn Jesus zu nennen, während in Spanien Eltern wohl seltener dazu neigen, da der Ausruf Jesús gleichbedeutend mit ‘Gesundheit’ ist (in Deutschland ist Jesus seit 1999 ein zugelassener Name). Auch Consuelo (Trost) und Esperanza (Hoffnung) sind dort absolut übliche Mädchennamen. Aus den USA kommen regelmäßig Meldungen zu Vornamen, bei denen ich mich frage, ob man nicht einen Eltern-Führerschein einführen sollte, denn ich stelle mir ein Leben als Sunshine oder Sage Moon Blood nicht so einfach vor…


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