Von Treteseln und tretenden Eseln

Apr 20th, 2010 | By | Category: Gedankendialog | Trackback URL

Die ersten Sonnenstrahlen locken nicht nur die Jogger wieder aus den Wohnzimmern, sondern auch die Fahrradfahrer. Ob Jung oder Alt: Das Zweirad mit 0,15 PS erfreut sich fast überall großer Beliebtheit. Sport hält ja auch gesund – man sollte sich also freuen, wenn die lieben Mitversicherten durch körperliche Betätigung die Wahrscheinlichkeit für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung verringern und so die Kosten für die Krankenkasse möglichst niedrig halten. Denn, geringe Kosten für die Krankenkassen = geringere Beiträge (so zumindest die Theorie). 

Heute Morgen jedoch ist mir der erste nervige Fahrradfahrer des Jahres begegnet: Auf der Landstraße. Mit gefühlten fünf Umdrehungen pro Minute beförderte der ‘Best Ager’ sein Gefährt ohne jede Eile über den Asphalt. Natürlich mitten auf der Fahrbahn – so, dass an Überholen nicht zu denken war. Der Fahrradweg war übrigens in Sichtweite – etwa zehn Meter weiter südlich, in der schönen Mainanlage. Hupen traue ich mich in solchen Situationen nicht, aus Angst, der Radler könnte vor Schreck vom Sattel fallen. Mir wurde schlagartig wieder bewusst, warum der Tretesel den Namen mit dem störrischen, langsamen und unbeugsamen Vierbeiner teilt. ;-)  

Auch schon gesichtet wurden die ersten Gruppen Rennfahrer. Hier teilt sich das Feld auch dieses Jahr wieder ganz klar in zwei Fraktionen. Die eine besteht zumeist aus Damen und Herren in der Midlife-Crisis, die nach einem Grund suchen, ihren eher weniger gestählten Körper in gruselige Radlerhosen und windschnittige T-Shirts mit dem Aufdruck ‘Team T-Mobile’ zu zwängen. Da sieht man auch in diesem Jahr durch unvorsichtiges ‘Durch-die-Welt-Gucken’ Dinge, die man lieber nicht gesehen hätte.

Bei Fraktion zwei hingegen sind die Reifen selten dicker als ein moderner Fingerring, dafür haben die Oberschenkel die Ausmaße eines Traktorreifens. Wenn einer oder zwei dieser meist männlichen Sportler auf einem gemeinsamen Fahrrad-Fußgängerweg an mir vorbeisausen, hilft auch kein ‘Drei Wetter Taft’ mehr, dann ist die Frisur hin. Im Sommer eine willkommene Abkühlung. Mir drängt sich dann jedoch seit letztem Jahr die folgende Fragestellung auf: Theoretisch müssen sich auch die Supersportler an die Verkehrsregeln halten. Ich bin im letzten Sommer (mit meinem Auto) in einer 30er-Zone hinter einem dieser Rennfahrer hergefahren. Mein Tacho sagte mir, dass ich zu schnell bin. Mein Glück war jedoch, dass das Fahrrad so weit vor mir geblitzt wurde, dass ich noch bremsen konnte – er war nämlich noch schneller als ich. Die Frage also ist: Wie findet die Polizei den Radrennfahrer, um ihm wegen deutlich überhöhter Geschwindigkeit in einer verkehrsberuhigten Zone innerorts den (Auto-) Führerschein wegzunehmen?
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